Lützel

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Koblenz-Lützel
Koblenz-Lützel
Basisdaten
Stadtteil seit: 1891
Fläche:  ? km²
Einwohner: 7.826 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte:  ? Einwohner je km²
Postleitzahl: 56070
Vorwahl: 0261
Kfz-Kennzeichen: KO

Lützel ist ein Stadtteil von Koblenz und liegt im Norden der Stadt zwischen Metternich und Neuendorf. Auf der gegenüberliegenden Moselseite liegt die Koblenzer Altstadt. Von hier verbindet die historische Balduinbrücke die beiden Stadtteile. Der Begriff Lützel kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet nichts anderes als klein. Von den preußischen Festungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert ist in diesem Stadtteil heute noch ein Teil der Feste Kaiser Franz und der Neuendorfer Flesche erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Lützel wurde erstmals 1070 unter dem Namen Confluentia minor (Klein-Koblenz) erwähnt. Der Ort war Brückenkopf der südlich der Mosel gelegenen Stadt Koblenz. Am 7. März 1138 wurde der Staufer Konrad III. in Lützel-Koblenz, wie der Ort später auch genannt wurde, zum König gewählt. Im Jahre 1688 ließ der Trierer Erzbischof Lützel völlig niederreißen, als französische Truppen Koblenz belagerten. Der Ort vor den Toren von Koblenz hörte damit faktisch auf zu existieren.

Im Zuge des Baus der Festung Koblenz errichten die Preußen hier auf dem sogenannten Petersberg nach 1816 die Feste Kaiser Franz mit einem dazugehörigen System von vorgeschobenen Festungswerken. Von diesen preußischen Festungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert sind heute noch ein Teil der Feste Kaiser Franz, der Neuendorfer Flesche, geringe Reste der Bubenheimer Flesche sowie der Moselflesche erhalten. Im Schatten der Festungsanlagen entstand Lützel erneut, wurde allerdings durch die Baubeschränkungen (sogenannte Rayongesetze) in seiner Entwicklung zunächst gehemmt. 1890 gaben die Preußen die Festungsanlagen schließlich auf. Bereits wenig später, am 1. Juli 1891, erfolgte die Eingemeindung nach Koblenz. In der Folgezeit entwickelte sich Lützel vorerst zu einem bevorzugten Wohngebiet, später dann auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort.

Ein tragisches Ereignis machte Lützel 1930 mit einem Schlag für kurze Zeit in ganz Deutschland bekannt. Am 22. Juli 1930 kam es nach einem Feuerwerk, mit dem die Feierlichkeiten zum Abzug der Franzosen aus den Rheinlanden abgeschlossen wurden, am Sicherheitshafen zu einem folgenschweren Unfall. Von den zurückströmenden Menschen überlastet, brach eine enge Behelfsbrücke im Dunkeln ein und riss 38 Personen in den Tod. Dieses Unglück löste in ganz Deutschland Mitgefühl und Trauer aus.[1]

Einen weiteren schmerzhaften Einschnitt hatte Lützel im Zweiten Weltkrieg zu verkraften. Bedingt durch die Nähe zur Koblenzer Innenstadt und die wichtige Bahnverbindung, insbesondere der Bahnhof Koblenz-Lützel, war auch Lützel verstärkt Ziel alliierter Luftangriffe, die erhebliche Schäden nach sich zogen. Aus dieser Zeit stammt auch der Hochbunker in der Bodelschwinghstraße.

Im Mai 2004 wurde in Lützel die Tahir-Moschee von der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ eröffnet. Dies ist der erste muslimische Sakralbau in Koblenz. Heute weist der Stadtteil einen hohen Ausländeranteil auf.

Eine 2008 veröffentlichte wissenschaftliche Studie im Rahmen des Programms Soziale Stadt bescheinigt dem Stadtteil, ein hohes Maß an Lebensqualität zu bieten. Versorgung, Sicherheit und soziale Vernetzung stimmen. Die Lützeler, so ein Fazit, leben gern in ihrem Stadtteil.[2] Um die Lebensqualität noch weiter zu steigern, hat Ende November 2008 das Lützeler Stadtteilbüro seine Tätigkeit in neuen Räumen im Brenderweg 17 aufgenommen. Ziel dieser in Zusammenarbeit mit der Caritas betriebenen Einrichtung Brender 17 soll sein, zusammen mit den Lützelern das Wohnen im Stadtteil, die Infrastruktur und die Umwelt zu verbessern. Eine wichtige Rolle bei der Arbeit spielt auch die Integration der hier lebenden Ausländer.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Infrastruktur

Verkehr

Lützel ist der Koblenzer Stadtteil der Brücken: Neben der historischen Balduinbrücke verbindet die Europabrücke die von Norden kommende B 9 mit dem anderen Moselufer. Gleiches gilt für den Verkehr über die Moseleisenbahnbrücke Richtung Hauptbahnhof und umgekehrt. Außerdem verkehrt eine kleine Personenfähre vom Campingplatz zum gegenüber liegenden Deutschen Eck. Hauptverkehrsachsen sind die Bonner Straße (B9), die Andernacher Straße (Richtung Industriegebiet), die Mayener Straße (Richtung Metternich) sowie der Brenderweg und der Wallersheimer Weg (Richtung Neuendorf).

Eisenbahn

Aufgrund einer Verfügung des Prinzen Wilhelm von Preußen vom April 1858 entstand 1858/59 der Koblenzer Güterbahnhof auf dem linken Moselufer unterhalb des Reduits der Feste Franz. Zum Schutz desselben und des Ortes wurden die Anlagen von 1864-66 weitläufig mit einer Mauer umgeben, die mit Schießscharten versehen war. Zur weiteren Sicherung entstanden drei Kaponnieren. Diese Mauerumschließung wurde 1889 aufgegeben und in der Folge bis auf wenige Reste entfernt.

Der Aufstieg von Lützel zu einem wirtschaftlich bedeutenden Stadtteil ist in direktem Zusammenhang mit dem Bau des Bahnhofs zu sehen. Bereits 1889 waren die meisten Beschäftigten im Bahnbetrieb tätig. Firmenansiedlungen erfolgten hauptsächlich zwischen Neuendorfer Straße und Güterbahnhof.[5]

Im Zweiten Weltkrieg war der Güterbahnhof Ziel alliierter Luftangriffe, die hier einiges an Verwüstungen anrichteten. Ungeachtet dessen hat der Lützeler Bahnhof bis heute seine Bedeutung behalten.

Militär

Wie auch in anderen Koblenzer Stadtteilen gab es in Lützel einige militärische Einrichtungen und Kasernen. Durchgängig waren die Truppen zunächst in der Feste Franz, der Bubenheimer und der Neuendorfer Flesche untergebracht. 1913 war der Kasernenneubau auf der ehemaligen Neuendorfer Flesche, die Trainkaserne (heute Rheinkaserne) fertiggestellt. 1913-1917 entstand im Bereich der Feste Franz die Feld-Artilleriekaserne, von der heute nur noch ein Gebäude sowie die ehemaligen Ställe vorhanden sind und als Wohngebäude genutzt werden. Auf dem Gelände der Moselflesche entstand 1907-1910 das Korps-Bekleidungsamt (später Langemarckkaserne), welches heute von der WTS und der Bundeswehr genutzt wird. 1938 wurde zwischen Bekleidungsamt und ehemaliger Rübenacher Schanze die Falckensteinkaserne errichtet.

Im Hof der Feste Franz wurde 1892-94 eine Munitionsanstalt erbaut, die der Munitionsherstellung diente. Die Gebäude wurden nach dem Ersten Weltkrieg zum Teil als Wohnungen genutzt, verschwanden aber in der Folge, so dass heute keine Reste mehr vorhanden sind. Das Artilleriedepot im Schatten der Feste Franz diente ab 1969 der Standortverwaltung der Bundeswehr, u.a. als Kleiderkammer. Heute steht der Komplex leer.

Trotz massiver Reduktion der Koblenzer Garnison werden die Falckenstein-Kaserne (neben der B 9) sowie die Rhein-Kaserne (Andernacher Straße) weiterhin von der Bundeswehr genutzt.

Kirche

Der älteste kirchliche Bau in Lützel ist heute die 1907 fertig gestellte Maria-Hilf-Kapelle. Die Kirche St. Peter, vermutlich erbaut im 12. Jahrhundert, wurde bereits 1688 zerstört. Die Kirche St. Antonius, erbaut 1889/90 An der Ringmauer, überstand den Zweiten Weltkrieg nicht. Das stark angegriffene Gebäude wurde 1954 gesprengt und beseitigt. Eine neue Kirche samt Gemeindezentrum entstand von 1967-1970 am Brenderweg. Bereits 1952/53 war die Kapelle Maria-Hilf durch einen Neubau zur Kirche erweitert worden.

Heute ist das kirchliche Leben in dem Koblenzer Stadtteil recht vielfältig. Neben den katholischen Pfarreien St. Antonius (Brenderweg) und Maria-Hilf (Mayener Straße), der evangelischen Gemeinde (Gemeindezentrum Bodelschwingh) und der eingangs erwähnten Moschee (Am Franzosenfriedhof) hat die Neuapostolische Kirchengemeinde Koblenz eine neue Heimat auf dem Bodelschwingh gefunden. 2008 eröffnete die evangelische freikirchliche Gemeinde ein Christus-Zentrum in der Mayer-Alberti-Straße.

Friedhof

Der am Petersberg an der ehemaligen Bubenheimer Flesche gelegene große Friedhof ist 1953 auf dem unteren Teil des Lützeler Volksparks entstanden. Er wurde maßgeblich von Gartenbaudirektor Hans Wilhelm Mutzbauer mitgestaltet, der auch den im Zweiten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogenen Volkspark neu anlegen ließ. Am Westrand des Friedhofs zieht sich, noch heute sichtbar, die ehemalige Kommunikation von der Bubenheimer Flesche zur Feste Franz entlang. Es finden sich folgende Grabarten: Wahl-, Reihen-, Urnenreihen- und Urnenwahlgräber.

Die räumliche Aufteilung des Vorplatzes der Friedhofshalle mit der Treppenanlage als Verbindung zu den Grabstätten auf den oberen Feldern ist bemerkenswert. Die Blickachse führt über die Treppenanlage hinweg zu einem Hochkreuz, welches auf der ehemaligen Grabenwehr des Festungswerks steht, zur Festung Ehrenbreitstein, die aber in der Vegetationszeit durch die dahinter stehenden Laubbäume verdeckt ist. Am Eingangsbereich steht eine Basaltstele zum Gedenken an die Kriegstoten. Sie befindet sich inmitten einer von Efeu bedeckten Fläche. Sehenswert sind zahlreiche Gräber mit Madonnen und Engeln sowie eine fast vergessene Gedenktafel für den Gründer des Koblenzer Tierschutzvereins Friedrich Halter. Träger des Friedhofs ist die Stadt Koblenz.

Kindergärten & Schulen

Die Lützeler Kindergärten sind eng mit den kirchlichen Gemeinden Maria-Hilf, St. Antonius und der Evangelischen Gemeinde verknüpft (siehe Kirche). Des Weiteren gibt es einen vierten Kindergarten in den Mittelweiden. In Lützel sind allerdings nur zwei Schulen ansässig: Eine Grundschule in der Weinbergstraße sowie die Hans-Zulliger-Schule am Brenderweg.

Soziale Einrichtungen

Ein großes Pflegeheim für Senioren betreibt der Verein Herberge zur Heimat e.V. in der Bodelschwinghstraße. Die Ursprünge dieses Vereins gehen zurück bis in das 19. Jahrhundert. Damals bot man fahrenden Wanderern eine Übernachtungsmöglichkeit an. Anfang der 1930er Jahre kaufte die Herberge das militärische Gelände der ehemaligen Feld-Artilleriekaserne und richtete dort Wohnungen und ein Wanderer-Heim ein, welches den Namen Von-Bodelschwingh-Haus erhielt. Dies wurde Namensgeber für die Straßen fast im gesamten Areal, so dass die ursprünglich Petersberg genannte Erhebung in Lützel noch heute im Volksmund Bodelschwingh heißt. Die Herberge verlagerte ihre Tätigkeit in den 1960er Jahren in die Altenpflege. Seit einigen Jahren sind die Senioren nun in einem modernen Neubau untergebracht.

Sportanlagen, Parks & Grünflächen

In Lützel gibt es zwei Sportplätze: Den älteren Platz auf der Feste Franz, der heute von einem türkischen Verein genutzt wird, sowie den neueren allerdings hochwassergefährdeten Platz an den Schartwiesen. Hier spielt der VfB Lützel 1891 e.V.

Neben dem bereits erwähnten Volkspark ist das Lützeler Moselufer bis zum Hafen ausgebaut. Weitere Grünflächen finden sich auf dem Gelände der ehemaligen Feste Franz (allerdings nicht kultiviert) sowie am Campingplatz.

Die größte Koblenzer Kleingartenanlage findet sich in den Mittelweiden: Seit 1964 betreibt hier der Verein Gartenfreunde Sonnenland Koblenz-Lützel Gärten auf 10 ha Gelände eines ehemaligen Schuttabladeplatzes.[6]

Vereine

Die nachfolgenden Vereine sind in Lützel aktiv:

Literatur

Weblinks

Einzelnachweis

  1. Rhein-Zeitung Nr. 168, 22./23. Juli 2000: Todesschreie gellten durch die dunkle Nacht.
  2. Rhein-Zeitung 20. Dezember 2008: In Lützel lässt es sich leben.
  3. Rhein-Zeitung 28. November 2008: Stadtteilbüro in Lützel ist eröffnet.
  4. Johnen, Stadtteil, Seite 98f.
  5. Johnen, Neuentstehung, Seite 25f.
  6. Rhein-Zeitung 16. August 2008: „Sonnenland“ ist ein grünes Paradies.

Artikelquelle

Artikelquelle

Dieser Artikel basiert auf dem Wikipedia-Artikel Koblenz-Lützel vom 4. Apr. 2009, 11:18 Uhr. Eine Liste der Autoren des Ursprungsartikels ist in der Wikipedia zu finden.

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