Rheinanlagen
Aus Stadtwiki Koblenz
Die Rheinanlagen sind die Promenaden am linken Ufer des Rheins in Koblenz. Sie sind 4,5 km lang und bestehen aus dem Konrad-Adenauer-Ufer und den Kaiserin-Augusta-Anlagen. Sie wurden zwischen 1856 und 1861 im Auftrag von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Gemahlin Kaiser Wilhelms I., von dem preußischen Gartenbaumeister Peter Lenné gestaltet. Der damalige Park führte von der Oberwerther Brücke im Stadtteil Oberwerth bis zur Höhe Stresemannstraße nördlich des Kurfürstlichen Schlosses. 1902, zwölf Jahre nach Augustas Tod, wurde die 1890 beschlossene Stadtentfestigung verwirklicht, so dass der zweite Abschnitt vom Kurfürstlichen Schloss bis zur Danziger Freiheit, unmittelber hinter dem Deutschen Eck, bebaut werden konnte. Wegen des Engagements Konrad Adenauers für die Wiederherstellung der deutschen Demokratie wurde dieser Teil im Januar 1976 nach ihm benannt.
Die Rheinanlagen sind nicht zu verwechseln mit der Rheinwiese, die sich zwischen der Sportanlage Oberwerth und dem Schwimmbad Oberwerth befindet.
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Geschichte
Französische Anfänge: Der Parc Lezay
Nachdem die Franzosen Koblenz 1794 zur Hauptstadt des Départements Rhin-et-Moselle und 1800 zum Sitz einer Präfektur erklärt hatten, kam mit dem Präfekten Adrien de Lezay-Marnesia ein Mann nach Koblenz, dem die ersten Gestaltungsversuche einer Uferpromenade am linken Rheinufer zu verdanken sind. Er ließ 1809 eine Départemental-Baumschule für die Bürgermeisterei auf dem Gelände südlich des kurfürstlichen Schlosses anlegen. Lezay-Marnesia hatte es sich zum Anliegen gemacht, das Straßennetz und den Obstanbau in seinem Département zu fördern. Da die Baumschule auch Ziergehölze und Waldbäume heranzog, entstand bald darauf der Eindruck eines kleinen Parks.
Im gleichen Jahr kaufte der damalige Maire Gayer auf Anraten des Präfekten das sogenannte Galgenfeld (Gelände im heutigen Stadtteil Laubach und den verwilderten Weingarten des aufgegebenen Klosters Oberwerth auf, die mit in die Planung einbezogen wurden. Das Gebiet erstreckte sich insgesamt vom heutigen Kaiserin-Augusta-Denkmal bis zur Laubach, was dem Park den Namen Plantation de Laubach gab.
Lezay-Marnesia ließ das Gebiet als einen forstbotanischen Garten nach Antoine de Jussieu anlegen. Diesen verteilte er parzellenweise an Beamte, die sich verpflichteten, ihre Parzelle auf eigene Kosten in seinem Sinne zu pflegen. So entstand durch gemeinsame Tätigkeit zahlreicher Gleichgesinnter in kurzer Zeit ein reizvoller Ziergarten, der auf das Prächtigste zu gedeihen versprach.
In dieser ersten öffentlichen Koblenzer Parkanlage standen neben Weißdornbüschen am Eingang und Magnolienpflanzungen am Ausgang auch Judas- und Obstbäume, Grau- und Silberpappeln und Besenginsterbüsche. Viele verschlungene Wege führten hindurch, so dass der Eindruck einer größeren räumlichen Ausdehnung entstand.
Lezay-Marnesia konnte seine Pläne nicht vollständig ausführen, da er am 1. März 1810 unvermutet nach Straßburg versetzt wurde, wohin viele seiner Beamten ihm folgten. Zwei Tage später erhielt die Plantation de Laubach die Bezeichnung Parc Lezay. Am 21. desselben Monats beschloss der Stadtrat, den Park zu pflegen und zu erweitern. Dies konnte jedoch nicht realisiert werden, da mit Lezay-Marnesias auch die meisten privaten Spender die Stadt verlassen hatten und dieser selbst die finanziellen Mittel fehlten.
Preußische Zeit: Verwilderung und Neuanfang
Auf dem Wiener Kongress wurde Koblenz 1815 Preußen zugeschlagen. Die neue preußische Administration wollte den französischen Park nicht weiter unterstützen, was zur Folge hatte, dass bereits fünf Jahre nach der Entstehung der gesamte Parc Lezay zerstückelt und verkauft wurde. Es blieben lediglich einige Rabatten neben dem Leinpfad am Rheinufer erhalten, der früher von Pferdegespannen genutzt wurde, um Schiffe flussaufwärts zu treideln. Der Leinpfad in den Koblenzer Rheinanlagen ist das einzige Überbleibsel des Parc Lezay in der ursprünglichen Ausdehnung und dient heute als Fahrradweg. Am 12. November 1818 übergab die Stadt den Pfad an den Staat, da sie sich laut Oberbürgermeister Maehler nicht mehr in der Lage sah, einen Fonds zur Anpflanzung von Blumen einzurichten. Der Rest des Parks verwilderte und wurde ab 1819 gewerblich als Holzlagerplatz genutzt. Die Baumschule wurde zerstört, als die Preußen 1827 im Zuge der erneuten Befestigung von Koblenz die Rheinanschlusskaserne mit ihren Befestigungsmauern und Gräben anlegten.
Ab 1850 hielt sich Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser, als Generalgouverneur der Rheinlande und Westfalens häufig in der größten preußischen Garnisonsstadt auf. Für ihn war die damalige Rheinfront nicht viel mehr als ein „Holzlager, Kiesbänke und ein zwischen Weidengestrüpp liegender Leinpfad“. Der einzige Blickfang bestand aus dem Spielplatz für Prinzessin Luise Marie Elisabeth von Preußen|Luise, der bis 1893 bestehen blieb.
Mit Wilhelm kam auch seine Frau Augusta, die eine besondere Vorliebe für die Region entwickelte, in der sie jeden Sommer für längere Zeit residierte, auch nachdem ihr Mann König geworden war. Auf sie geht die Idee zurück, das Koblenzer Rheinufer im Stil eines Landschaftsgartens zu gestalten: „Es soll dem Volke [...] geboten werden, ein Aufenthalt außerhalb der kleinen Wohnung und Gasse für Frau und Kind, des Wirtshauses für den Mann: als 'reine Luft' in jedem Sinne, Auf dass die gottgesegnete Gegend auch die Menschen zu erhöhtem und warmen Daseinsgefühle erhöbe.“
Zu diesem Zweck zog Augusta 1856 den preußischen Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné hinzu. Als Berater konnte sie Hermann Fürst von Pückler-Muskau gewinnen, der auf seinem Besitz bereits den berühmten Landschaftspark Wörlitz geschaffen hatte. Als Protektor der Anlagen überwachte Lenné fortan deren Planung und Ausgestaltung. Augusta forderte ihn in ihren Briefen mehrfach auf, weitere Pläne auszuarbeiten. Diese scheinen jedoch in den Kriegswirren 1945 verloren gegangen zu sein.
Lennés Konzept für die Rheinlagen Koblenz
Die Ausgangssituation, der verwilderte Uferstreifen, war schwierig für die Gestaltung eines Parks. Es fehlte eine ältere gärtnerische Grundlage, auf die sich hätte aufbauen lassen können. Das Parkgelände musste nicht nur neu angekauft, sondern auch grundsätzlich neu geplant werden. Die bestehenden Grundstücke wurden von Augusta erworben. Zudem schuf die preußische Rheinstrombauverwaltung durch Aufschüttungen am Ufer zusätzlichen Platz.
Lenné gehört mit Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Friedrich Ludwig von Sckell zu den größten deutschen Übersetzern des Englischen Landschaftsgartens. Ziel dieses Stils war es, nicht mehr die bis dato vorherrschende mathematische Strenge der Blumenbeete und Hecken zu verwenden und sich bei der Gartengestaltung mehr nach dem zu richten, was die Natur an Ausblicken zu bieten hat. So wurden natürlich wirkende Teiche und sich schlängelnde Wege angelegt. Neben den politischen Aspekten - immer wieder wurde der neue Stil zu Interpretationen des Gegensatzes von Absolutismus und Aufklärung herangezogen - und wirtschaftlichen Gesichtspunkten war für Lenné das wachsende naturwissenschaftlich-botanische Interesse treibende Kraft des Landschaftsgartens. Wirtschaftlich deshalb, da in die Natur weniger eingegriffen wurde, was natürlich weniger Geld verschlang. In all seinen Werken plante er große ungeteilte Rasenflächen, kulissenartig gestellte Baum- und Strauchgruppen, Systeme von Wegen, die das gesamte Kunstwerk erschließen und die Besucher zu langen Spaziergängen einladen sollten und plante klein Gartenwirtschaften mit ein. Die typischen von ihm geliebten Baumarten findet man auch am Rhein in Koblenz: Kastanien, Pappeln, Eschen, Blutbuchen, Weide und Magnolien. Der Park wurde 1861 offiziell fertiggestellt, obwohl noch lange danach Statuen und Denkmäler sowie Beete und Baumgruppen hinzugefügt wurden.
Unterhaltung und Pflege bis 1902
Um den Volkspark entlang des Koblenzer Rheins noch lange nach dem Tod ihrer Initiatorin aufrecht zu erhalten, wurde schon sehr früh, am 4. August 1860, ein Vertrag geschlossen, der die Anlagen in ihrer Ausdehnung von 1860 mit allen Plätzen, Beeten, Rasenflächen und Bänken schützen sollte. Die verhandelnden Parteien waren die Stadt Koblenz als Anlieger und das Oberpräsidium der Rheinprovinz als Besitzer des Grundstückes. Ergebnis war, dass die Stadt sich verpflichtete, den oben erwähnten Kernbereich so zu erhalten und verzichtete auf das Eigentumsrecht an den in den Anlagen stehenden Gebäuden (Kasernen, etc.). Im Gegenzug übernahm das Oberpräsidium die Überwachung der Einhaltung der Pflichten der Stadt und stellte die Rheinanlagen unentgeltlich den Koblenzer Bürgern zu Verfügung, mit der Bedingung, dass die Stadt ihren Pflichten nachkam. Zusätzlich beteiligte sich das Oberpräsidium mit einer Beihilfe von 4000 Talern, von deren Zinsen die Pflege und Erweiterung bezahlt werden sollte.
Um diesen Vertrag gerecht zu werden, wurde auf Veranlassung der Königin Augusta ein fünfköpfiges „Comitee zur Pflege der Coblenzer Rheinanlagen“ gebildet. Diesem zur Seite trat der am 31. März 1870 gegründete Verschönerungsverein. Dessen größtes Verdienst war die Anbindung der Rheinanlagen an den Stadtwald im Jahr 1897 durch den Ankauf des fehlenden Geländes von der Rheinstrombauverwaltung.
Im selben Jahr wurde am 25. April eine Polizeiverordnung bekannt gegeben, die die Benutzung der Anlagen sehr stark reglementierte und einschränkte. So wurde u. a. bei Geld- und Freiheitsstrafen verboten, die Rasenflächen zu betreten.
Die gärtnerischen Arbeiten wurden von 1865 bis 1902 nebenamtlich von insgesamt vier Hofgärtnern übernommen.
Die in diesem Zeitraum aufgestellten Denkmäler und Plastiken (beispielsweise "Die Wacht am Rhein") standen im Zeichen des neu erwachenden Nationalgefühl, das durch den Deutsch-Französischen Krieg und der darauf folgenden Reichsgründung im Schloss Versailles ausgelöst wurde. Auch ein neuer Kunst- und Baustil, der Historismus und Wilhelminismus, war bemüht, an die große Vergangenheit und Zukunft der Deutschen zu erinnern. In Koblenz entstand in diesem neuen Stil ein ganze Stadterweiterung (siehe folgenden Abschnitt).
Der Volksparkgedanke musste für die verstärkte Repräsentation und Monumentalität zurücktreten. Nicht mehr kleine, bürgernahe Statuen wurden aufgestellt, sondern wuchtige und blickfangende. Jetzt wurde auch die unmittelbare Umgebung der Objekte miteinbezogen, die die Wirkung verstärken und unterstreichen sollte. Auch in den neugeschaffenen Partien am Schwanenteich dokumentiert sich das Zurückfinden zur deutschen Heimat und Landschaft. Überall wurden neue Aussichtsplätze auf den - mittlerweile vollständig auf deutschen Gebiet fließenden - Rhein angelegt.
Stadtentfestigung und Erweiterung der Rheinanlagen
Durch eine Kabinettsorder vom 13. März 1890 wurde die Schleifung der mittlerweile strategisch völlig unsinnigen Festungsanlagen und der Stadtmauer beschlossen. Mit der Auflösung dieser konnte sich Koblenz nach Süden erweitern, denn die Mauer grenzte die Stadt auf einer Linie vom Rhein zur Mosel durch die heutigen Stadtteile Süd, Mitte, Goldgrube und Rauental ab. Zusätzlich waren an Mosel- und Rheinufer ebenfalls Mauern und Befestigungsanlagen, die ab 1890 abgetragen wurden.
Noch im selben Jahr erwarb die Stadt diese Stadtmauer zum Preis von 14 842 Goldmark und übte das damit erworbene Eigentumsrecht aus: Die die Aussicht über die beiden Flüssen versperrenden Mauern wurden teils bis zur Brusthöhe, teils ganz niedergelegt. Im Zuge dessen ließen die Stadtväter auch die Aufbauten und Schuppen der Rheinwerft durch unauffälige Lagerräume ersetzten. Das Ufer am Rhein vom Deutschen Eck bis zur Stresemannstraße stand nun zur Bebauung völlig frei.
Der Ausbau der Rheinanlagen, der die Stadt als Zentrum des mittelrheinischen Tourismus förderte zog sich jedoch bis 1902 hin. Im direkten Anschluss an das kurfürstliche Schloss wurde das neubarocke Oberpräsidium bis 1910 errichtet. Rund hundert Schritte rheinabwärts entstand anstelle des 1901 abgebrannten Regierungsgebäudes dessen Neubau bis 1906. Man sagt, dass Wilhelm II. hier korrigierend eingegriffen habe. An der Rheinfront wurden bis 1913 auch mehrere repräsentative Hotelbauten errichtet. Die bekanntesten und größten unter ihnen waren der „Coblenzer Hof“, der „Riesen-Fürstenhof“ und das „Bellevue“.
Nur wenige Meter hinter der Basilika St. Kastor wurde das als Mädchenschule von St. Kastor 1834/35 von Johann Claudius von Lassaulx konzipierte Rheinmuseum in das „Museum für Naturkunde und Kulturgeschichte der Rheinlande“ umfunktioniert. Die Basilika und das Deutschherrenhaus bildeten bis 1897 den Abschluss der Stadt.
Mit dem Bau des Deutschen Ecks in diesem Jahr und der damit verbunden Aufschüttung des Rhein- und Moselufers haben die Rheinanlagen ihren nördlichen End- und architektonischen Höhepunkt erhalten. Die größte Ausdehnung der Rheinanlagen von 1861 von 3,5 km war auf 4,5 km angewachsen.
Fußnoten
Literatur
- Helmut Kampmann: Wenn Steine reden. Gedenktafeln und Erinnerungsplatten in Koblenz. Fuck-Verlag, Koblenz 1992, ISBN 3-9803142-0-0
- Presse- und Fremdenverkehrsamt Stadt Koblenz: Die Rheinanlagen Koblenz. Von den Anfängen bis heute. mit Beiträgen von Willi Hörter, Franz-Josef Heyen, Katharina Richter, Detlef Wahl u.a., Koblenz, 1992, Broschüre
Weblinks
Artikelquelle
Dieser Artikel basiert auf dem Wikipedia-Artikel Rheinanlagen_(Koblenz) vom 14. Mai 2009, 10:55 Uhr. Eine Liste der Autoren des Ursprungsartikels ist in der Wikipedia zu finden.